Grüne kritisieren Bau des geplanten Radwegs

Treffen mit Vertretern von Naturschutzverbänden an der Schleuse Scheidt Laurenburg/Geilnau. Zu einem Vororttermin haben sich Jutta Paulus, Europaabgeordnete der Grünen aus Rheinland-Pfalz, Dr. Kristin Kosche, Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die rheinland-pfälzische Landtagswahl, sowie Vertreter vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Naturschutzbund (Nabu) nahe der Schleuse Scheidt getroffen. Dort soll der Lückenschluss im Lahntal-Radweg unter anderem durch den Bau von zwei Brücken erfolgen. Gegen die seit vielen Jahren umstrittene Verbindung hatten Naturschutzverbände erfolglos geklagt. Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen. Kürzlich wurde mit Rodungen für den Radweg begonnen. Rhein-Lahn-Zeitung, Ausgabe Bad Ems, Samstag, 27. Februar 2021 Seite 12

Treffen mit Vertretern von Naturschutzverbänden an der Schleuse Scheidt

Laurenburg/Geilnau. Zu einem Vororttermin haben sich Jutta Paulus, Europaabgeordnete der Grünen aus Rheinland-Pfalz, Dr. Kristin Kosche, Kandidatin von Bündnis 90/Die Grünen für die rheinland-pfälzische Landtagswahl, sowie Vertreter vom Bund für Umwelt und Naturschutz (BUND) und dem Naturschutzbund (Nabu) nahe der Schleuse Scheidt getroffen. Dort soll der Lückenschluss im Lahntal-Radweg unter anderem durch den Bau von zwei Brücken erfolgen. Gegen die seit vielen Jahren umstrittene Verbindung hatten Naturschutzverbände erfolglos geklagt. Das Planfeststellungsverfahren ist abgeschlossen. Kürzlich wurde mit Rodungen für den Radweg begonnen (Rhein-Lahn-Zeitung berichtete).

Die Grünen erklären, dass der Lahn-Radweg zwischen Laurenburg und Geilnau zukünftig direkt am Fluss entlang geführt werden soll. Die dafür notwendige 3,5 km lange Verlegung erfordert zwei neue Lahnbrücken, um das Naturschutzgebiet „Gabelstein-Hölloch“ zu durchqueren. Der BUND hatte gegen das Verfahren geklagt und das erste Verfahren gewonnen, das zweite allerdings verloren. Streitpunkt seien aus Sicht der Grünen die Ausgleichsmaßnahmen, die laut Gutachten der Planungsbehörden geeignet sind, um den Umweltschaden auszugleichen.

Dazu sagte Dr. Kristin Kosche: „Hier handelt es sich um eine wertvolle Fläche mit Schlingnatter, Steppen-Grashüpfer und seltenen Pflanzen wie Wimper-Perlgras und Goldhaar-Aster. Auch Zaunkönig, Eisvogel, Wanderfalke oder Feuersalamander leben dort. Die Gefährdung dieses Biotops wäre durch eine Streckenführung über den Berg leicht abwendbar und sogar kostengünstiger gewesen. Andere touristische Radrouten bestechen gerade durch den Wechsel von Tal- und Höhenblick. Warum die Vorgabe zur Beweidung mit langhornigen Rindern und die Anpflanzung von Hecken dazu geeignet sein soll, Schäden im Naturschutzgebiet auszugleichen, ist mir schleierhaft.“

 

Michael Albrecht, Kreisvorsitzender des BUND Rhein-Lahn, ergänzte: „Schäden durch Touristen und den Wegebau durch das Naturschutzgebiet sind sicher. Dass dieses spezielle Biotop mit seinen felsigen, trocken und wechselfeuchten Stellen nicht mit einer Viehweide und Hecken ausgeglichen werden kann, ist offensichtlich. Trotzdem wurde der Ausgleich vom Gutachter und dem Gericht als ausreichend gewertet. Auf einen teuren und für uns möglicherweise ruinösen Gutachterwettstreit können wir uns aus finanziellen Gründen nicht einlassen.“

Winfried Lieber vom Naturschutzbund Rhein-Lahn kommentiert: „Bei der Unterschutzstellung vor 40 Jahren wurde der Ausbau von Wegen im Naturschutzgebiet explizit verboten. Rückblickend ist es bedauerlich, dass ein Weg durch geschütztes FFH-Gebiet rechtswidrig hergerichtet wurde und die zuständigen Behörden einfach weggeschaut haben. Es ist nicht nachvollziehbar, dass man heute, wo doch fast alle Radtouristen mit E-Bikes unterwegs sind, die preisgünstigste und naturverträglichste Bergvariante nicht umsetzt, zumal bei eigenen Zeitmessungen mit dem E-Bike die Bergvariante ganze sechs Minuten länger war als die Streckenführung entlang der Lahn. Stattdessen werden mehrere Millionen Euro für zwei wartungsaufwendige Holzbrücken ausgegeben!“

Die Europaabgeordnete Jutta Paulus fordert: „Ein gutes Monitoring ist unabdingbar, um nachzuweisen, dass der Schutzzweck, nämlich der Erhalt der Arten und Biotope, erfüllt wird. Nur so können rechtzeitig Gegenmaßnahmen ergriffen werden. Leider zeigt dieser Fall wieder die mangelnde Sensibilität und das Desinteresse der deutschen Planungsbehörden am guten ökologischen Zustand ihrer Schutzgebiete. Das EU-Vertragsverletzungsverfahren gegen Deutschland wegen Nichtumsetzung der FFH-Richtline ist daher nicht weiter verwunderlich.“

Rhein-Lahn-Zeitung, Ausgabe Bad Ems, Samstag, 27. Februar 2021 Seite 12

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